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25.06.2020 12:15 Alter: 98 days

Controller als Kommunikationsmanager

Kommunikation wurde in Krankenhäusern während der Corona-Krise zunehmend in den virtuellen Raum verlagert und längst überfällige Schritte der Digitalisierung im Eiltempo nachgeholt. Für das Controlling bedeutet dies eine neue Herausforderung, denn Datenintegration, Analyse und Bewertung müssen unter krisenhaft veränderten Rahmenbedingungen wirkungsvoll kommuniziert werden. Der Controller wird zum „Kommunikationsmanager“. von Brigitte Götz


„Shutdown“ und „Lockdown“ in der Corona_Krise führten in den letzten Wochen zu vielfältigen Veränderungen unseres Berufsalltags. Sofern möglich wurde auch in den Krankenhäusern die physische Präsenz am Arbeitsplatz durch „Homeoffice“ ersetzt. Es zeigen sich jedoch gleichermaßen Chancen wie auch potenzielle Risiken und Defizite in der Prozesssteuerung. Nie zuvor wurde die Daseinsfürsorge seitens der politischen Entscheidungsgremien gegenüber jedweden gesundheitsökonomischen Implikationen in dieser Form priorisiert. „Whatever it takes“ war die politisch gewählte Formel für massivste gesundheitspolitische Vorgaben zur vorausschauenden Krisenbewältigung. Zwar ist eine weitreichende finanzielle Kompensation in Aussicht gestellt, jedoch ist das Ausmaß der Verwerfungen und der gesundheitsökonomischen Destabilisierung zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht kalkulierbar. Gerade in dieser ökonomisch hochvulnerablen Situation ist die operative Steuerung auf der Grundlage von zielgerichteter Datenextraktion und kurzfristig zu generierenden Kenn_ und Leistungszahlen essenziell. Alle Aufgaben im Zusammenhang mit der Abstimmung der medizinischen Leistungserbringer und konsekutiver Definition von Leistungskontingenten fokussieren sich auf ein hocheffizientes Controlling. Zu dessen Aufgaben gehört in der Krise die tagesaktuelle Datenextraktion und Analyse sowie Bewertung daraus resultierender wechselnder, instabiler Szenarien. Bindeglied dieser Kompetenzen des Controllings ist die Kommunikation der Ergebnisse aus betriebswirtschaftlicher Analyse und Bewertung an die jeweiligen Prozessbeteiligten. Unter den veränderten Bedingungen nahezu ausschließlich digitaler Kommunikation während der Krise liegt hier eine neue, große Herausforderung. Unter Bezugnahme auf hinreichend bekannte, nicht unbedingt komplexe Kommunikationsmodelle agiert das Controlling in der aktuellen Situation in einem Spannungsfeld aus digitaler Effizienz auf „Sachebene“ und potenziellen Defiziten im Bereich der „Beziehungsebene“. Doch hier determiniert sich unter Umständen Erfolg oder Misserfolg einer „Message“. Obwohl die sogenannte „Sachebene“ aus Zahlen, Fakten und rationalen Informationen hinreichend verbal oder digital kommunizierbar ist, hat die sogenannte „Beziehungsebene“ als Konsequenz aus nonverbaler Aktivität einen vielfach größeren Anteil an einer wirkungsvollen zwischen menschlichen Kommunikation. In Kenntnis dieser Zusammenhänge braucht es hier den Controller als „Kommunikationsmanager“, um durch eine wirkungsvolle, kompensierende Kommunikationsstrategie Entscheidungsfindungsprozesse zu steuern.
 
Die Autorin ist Geschäftsführerin des BG-Klinikums Duisburg und Mitglied im DVKC-Vorstand. Die Kolumne ist erschienen in f&w 06/2020.